Am Freitag, den 20. Februar 2026, informierte die Kuratorin Christine Borchers-Fanslau eine Gruppe von 25 Mitgliedern und Freunden der Nachbarschaftshilfe Butzbach zum Thema „Vom Zunftbrief der Schmiede im Butzbacher Museum zur modernen Kunst mit Rudolf Lindenthal“. Im Butzbacher Museum erfuhren die Teilnehmenden u.a., dass bereits im Mittelalter Philipp VII. von Falkenstein Butzbach den Zunftbrief der Schmiede ausstellte.
Zunftbrief von 1406 im Original (Quellenangabe: Stadtarchiv Butzbach, Signatur 06.14.01.03.-0003)
Diese erhaltene Urkunde ist ein historisches Highlight:
Das Original befindet sich im Archiv des Butzbacher Museums. Der Zunftbrief wurde zum Schutz und zur Bestätigung der Zunft ausgestellt. Er sollte die Eintracht in der Zunft fördern und Streit meiden. Insgesamt werden in dem Zunftbrief 15 Regeln genannt, die alle Zunftmitglieder beherzigen sollten. So wurde festgehalten, dass nur derjenige das Handwerk des Schmiedes ausüben durfte, der auch der Zunft angehörte, man muss ein unbescholtener Bürger sein. Angeführt wurde die Zunft von 2 Kerzenmeister. Sie waren die Chefs der Zunft und mussten u.a. für die Kerzen und deren Pflege und Qualität Sorge tragen. Der Zunftbrief regelte, wer und unter welchen Bedingungen jemand in der Zunft aufgenommen wurde. Das Miteinander und die Abgaben wurden geregelt.
Der Zunftbrief wurde von Philipp von Falkenstein gesiegelt und am Tag des Heiligen Kreuzes im Jahr 1406 ausgestellt.
Solmser Schloss
Nach einem kurzen Spaziergang zum Solmser Schloss stieg man dort in den Gewölbekeller hinab, in der derzeit die Ausstellung „Rudolf Lindenthal – Kunst aus Metall, ein heißes Abenteuer“ geboten wird.
Mit der Verarbeitung von Eisen, Bronze, Edelstahl und Aluminium zählt Rudolf Lindenthal zu den Metallhandwerkern in einer langen Tradition der Schmiedekunst in seiner Heimatstadt. Im Überbegriff gehört der Metallhandwerker oder -künstler zur Feuerzunft, ein altmodischer Begriff, der aber direkt – wenn man so will – in die Werkstatt an das Schmiedefeuer und den Schmelzofen führt. Zur Feuerzunft zählten die Schmiede. ( Dazu zählten Hufschmiede, Nagelschmiede, Büchsenmacher. Kannen- und Zinngießer, etc. ) Den reinen Schmied gibt es heute nicht mehr. Die Traditionsberufe rund um den Schmied hat man 1989 zum Beruf des Metallbauers zusammengefasst, der sich ebenfalls auffächert in Spezialgebiete. Herr Lindenthal ist gelernter Betriebsschlosser und lernte bei Tröster und natürlich schon früh von seinem Vater und Großvater. 1969 legte er die Meisterprüfung ab.
Eines der vielen Werken von Rudolf Lindenthal im Gewölbekeller des Solmser Schlosses
Seine Werke beeindrucken durch ausdrucksstarke Materialsprache, handwerkliche Präzision und die Auseinandersetzung mit aktuellen Themen. Frau Borchers-Fanslau gelang es hervorragend, der interessierten Gruppe die Besonderheiten der Kunstwerke näher zu bringen und zu Fragen anzuregen. Der Besuch dieser Veranstaltung der Nachbarschaftshilfe Butzbach hat sich in jeder Hinsicht gelohnt.